Karlsruher Startup will Mobilität revolutionieren

 

Autor: Patrick Novinsky – 16. Dezember 2011

Zu viele Autos für zu wenig Straße. Stau auf der A8, schleppender Verkehr in der rush hour, kritische Feinstaubwerte in der Innenstadt. Dabei wäre alles so einfach. In jedem Auto des täglichen Berufsverkehrs sitzen durchschnittlich nur 1,07 Pendler. Ist das nicht ineffizient? „Und wie!“, dachten sich die Gründer des Karlsruher Startup-Unternehmens PocketTaxi und beschlossen, mit ihrer neuartigen Form der Fahrtenvermittlung die Mobilität zu revolutionieren.

In den letzten zwei Jahren entstand in Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine weltweit führende Technologie, die dem PocketTaxi- System nun zugrunde liegt. Mit diesem ist es jetzt möglich, Fahrten ganz spontan und adressgenau von Haustür zu Haustür zu teilen. Damit bedient das Startup insbesondere die Probleme von Berufspendlern mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, die bislang keine Fahrgemeinschaften bilden konnten. Die automatisierte Vermittlung von Fahrern und Mitfahrern ersetzt die manuelle Suche nach passenden Angeboten. Lästige Absprachen per Telefon oder Mail entfallen vollständig. Das Anlegen von regelmäßigen Fahrten sowie favorisierten Strecken ermöglicht es, ohne großen Aufwand eine Anfrage an das System zu stellen. In Sekundenschnelle ermittelt dieses infrage kommende Angebote, die dann mit einem einzigen Klick lediglich bestätigt oder abgelehnt werden müssen. Möglich ist dies entweder bequem übers Internet oder auch von unterwegs über die passende Smartphone-Applikation. Außerdem ist die Vermittlungswahrscheinlichkeit aufgrund von Teilstreckenvermittlung und dem automatischen Überprüfen von Alternativrouten deutlich höher als bei herkömmlichen Systemen. Häufigen Vorbehalten bezüglich der Sicherheit und Zuverlässigkeit von Mitfahrportalen begegnet das Unternehmen mit einer verpflichtenden Anmeldung, Nutzerauthentifizierung und einem ausgeklügelten Bewertungssystem. Neu ist außerdem die Integration des Öffentlichen Nahverkehrs. Zusätzlich zu den Angeboten potentieller Fahrer werden zukünftig auch Verbindungen mit Bus und Bahn, adressgenau mit Fußweg und Fahrplanauskunft, angezeigt werden.

Mit der von den ehemaligen Karlsruher Studenten entwickelten Dienstleistung können Unternehmen ihren Mitarbeitern in Zukunft einen Service an die Hand geben, der ihnen nicht nur bares Geld einspart, sondern auch das Networking der Mitarbeiter untereinander unterstützt. Gleichzeitig soll den teilnehmenden Unternehmen ein Werkzeug zur Verfügung gestellt werden, mit der realisierte Fahrten ausgewertet werden können. Geteilte Kilometer und vor allem das dadurch eingesparte CO2 lassen sich so messen und können im unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsprogramm öffentlichkeitswirksam ausgewiesen werden.

Das PocketTaxi-Team, das seit Anfang November mit einem EXIST- Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie finanziert wird, wohnt und arbeitet inzwischen gemeinsam in Frankfurt in seinem eigenen Gründerhaus. Dort wird mit den Erkenntnissen, die in einem ersten Praxistest mit rund 200 Pendlern gesammelt werden konnten, das Produkt verfeinert. Neben der Stadt Karlsruhe und dem KIT als Unterstützer wurden bereits erste Großunternehmen in der Region Karlsruhe als Kunden gewonnen. Derzeit suchen die Jungunternehmer nach weiteren Unternehmen mit großen Standorten, nach Gewerbegebieten oder interessierten Gemeinden, die Interesse daran haben, gemeinsam mit PocketTaxi neue Wege in der Mobilität zu gehen.